Sonntag, 19. August 2007

Filmtipp: Winter passing

Okay – ich weiß, wir haben August (auch, wenn das Wetter das nicht immer so ganz einsieht… vielleicht sollte man den Film eher zu Frühlingsbeginn anschauen!), und dennoch: ein paar Worte zu „Winter passing“, einem kleinen und scheinbar ziemlich leisen Film, der in allem laut „Leben!“ schreit. Auch, wenn es zuerst nicht nach „Leben“ aussieht.

Reese Holden, eine nicht gerade vom Erfolg verwöhnte Theaterschauspielerin schlägt sich in New York mehr schlecht als recht durchs Leben. Das verlockende Angebot einer Literaturagentin verspricht eine unverhoffte Chance: Für die Veröffentlichung der Liebesbriefe von ihrer Mutter (die sich vor kurzem das Leben genommen hat) und ihrem Vater Don soll Reese ein kleines Vermögen erhalten…
Nach sechseinhalb Jahren familiärer Abstinenz kehrt Reese also in ihren Heimatort zurück, um den elterlichen Briefwechsel zu entwenden. Doch Don, einst ein gefeierter Romanautor, hat sich inzwischen zum gestrandeten, exzentrischen Schriftsteller entwickelt, und begegnet seiner Tochter sehr zurückhaltend. Auch seine beiden Mitbewohner, der schüchterne Corbit und seine ehemalige Schülerin Shelley, die sich inzwischen um Reese’ Elternhaus und um Don kümmern, sind erst einmal gewöhnungsbedürftig…


Ein Haus voller Bücher, das Bett im Garten, Golf im Arbeitszimmer, Plan B beim Talentwettbewerb, in Schubladen eingeklemmte Hände sowie die arme Katze im Sack machen diesen Film zu einem ganz eigenartigen Familientreffen, der sich vielleicht an mancher Stelle etwas zu sehr an „Garden State“ oder „The Royal Tenenbaums“ anlehnt, nicht immer alle Fragen des Zuschauers aufklärt („Some questions need to be left open for the audience!“), mal einen Handlungsstrang verliert und dennoch einen feinen Eindruck hinterlässt.

„Ich will.
Ich will leben.
Ich will leben, weil mir nichts anderes übrig bleibt.“


formuliert Freddi Gralle in „Vom Leben eben“ und in ihrem Zusammenhang klingt das zupackend… Ob Reese und Don das auch so sehen würden?

Kommentare:

S.K. hat gesagt…

nun denn, der Film mag ja ganz gut sein...
aber an dieser Freddi Gralle und ihren politisch-sozialen Auswüchsen habe ich doch so meine Zweifel, und damit vielleicht auch gegen das zitierte Buch (das käme aber noch auf eine Prüfung an)...doch dieses politische Treiben ist mir, ich hab mich mal ein bisschen rumgeklickt, ein bisschen zu sehr unseriös-politische Aktivisten-Wichtigtuerei...da bin ich nun einfach mal so hart in meinem Urteil, und möchte aber auch keine Personen in ihrem Menschsein angreifen.

...und nur nebenbei, diese gute Frau G. mag über die neue Rechtschreibung schimpfen...beherrschen tut sie nicht mal unbedingt die alte...der blog ist gespickt von Kuriositäten.

Anne hat gesagt…

Ich mag das Buch und die total unterschiedlichen Beiträge drin;
Ich beherrsche weder die neue noch die alte Rechtschreibung völlig;
Ich muss mich nicht über anderer Leute Aktivismus (Hallo soziales Gewissen!) auslassen. Und ich bin mir in der Tat bewusst, wen ich da verlinke.
So viel dazu.
Es lebe die Meinungsfreiheit!

S.K. hat gesagt…

Hallo, hier spricht das soziale Gewissen...ja, das stimmt, mich gibts, und es ist nicht schlecht, auf mich zu hören. Doch ich empfinde es als besser, wenn Menschen in meinem Namen Engagement zeigen und nicht Aktivismus an den Tag legen...denn Engagement entspricht für mich einem mehr bedachten, zielgerichteten und nachhaltigen Handeln als vielleicht oft nur "blinder" Aktivismus. Und übrigens, Engagement in armen Ländern und andern Notsituationen unserer Erde lässt sich schwerlich als Aktivismus bezeichnen...und dort fühle ich mich aber als soziales Gewissen richtig verstanden und ausgelebt. Oder sind wir schon wieder so weit, dass der Zweck die Mittel heiligt?