Sonntag, 4. Februar 2007

Bin ich postmodern?


Gefunden bei emergingForum.

Die CC startet Ende Feb/ März das sog. emergingForum wo Gedanken und Ansätze einer neuen Kirche für eine neue Generation gedacht, bebetet und diskutiert werden sollen - und ich freu mich drauf...

Wenn ich mir die letzten 4 Jahre Studium und Leben hier in Würzburg anschaue, dann bemerke ich zunächst einmal, um wieviel breiter mein Spektrum an Gemeindevorstellungen geworden ist, und welche Entwicklung ich von meiner landeskirchlichen Herkunft über und mit der SMD bishin zu meinem heutigen Standpunkt vollzogen habe. Ich kann sagen, dass die Gottesdienste meiner Gemeinde jetzt viel mehr meinem Wesen und meinen Ausdrucksformen entsprechen, als dies früher im Gottesdienst meiner Heimatgemeinde der Fall war.
Ich entdecke im Rückblick auf die letzten Jahre aber auch, wie sehr und wie oft mein christlich-heimeliges Weltbild, das ich eben so mit 18/19 Jahren hatte, in Frage gestellt worden ist, von außen oder auch von mir selbst... dass ich manches neu durchdacht habe, auch im Hinblick darauf, wie ich anderen verständlich machen kann, was ich glaube.
Ich habe festgestellt, dass manche Menschen für alles offen sind und sein wollen ("wenn dir das gut tut, warum nicht..."), diese unbegrenzten Möglichkeiten (Job, Partner, Lebensplanung?) aber auch unbegrenzte Unsicherheit (Job, Partner, Lebensplanung!) in einer sich ständig verändernden und scheinbar immer schneller drehenden Welt bedeuten. Was ist noch sicher, was ist "zu Hause"?

Wenn ich mich in meiner Uni-Lebenswelt umsehe, mich selbst und meine Freunde betrachte, dann würde ich die Frage "Bin ich postmodern?" auf jedenfall bin "ja" beantworten, legt man z.B. mal den Artikel von Andi Balsam "Confessions of a postmodern mind" als "Messlatte" an...


Wir kennen alles, was man sich als Patchwork-Familie vorstellen kann.
Wir haben ziemlich früh nen Freund/ ne Freundin, heiraten aber erst spät.
Bilder sagen uns mehr als Worte.
Wir konsumieren fröhlich, obwohl wir wissen, dass die Werbung lügt.
Wir passen uns ins gesellschaftliche System ein, kein Aufbegehren, auch wenn viel schief läuft... es findet sich ja eine Nische.
Wir leben im und mit dem Internet.
Wir sind in der Welt zu Hause... Globalisierung mal anders.
Alles ist relativ, Pluralismus ist normal, "anders sein" auch.
Wir leben exzessiv und gleichzeitig bewusst.
Wir sind pragmatisch und sehnen uns gleichzeitig nach Erfüllung, die den Pragmatismus überwindet: Sinn, Ganzheitlichkeit, Klarheit, Überzeugungen.
Wir wollen unser Ding machen, und holen dafür raus, was geht.
Wir haben endlos viele verschiedene Jobs und Praktika - wir sind flexibel.
Wir brauchen nicht von einem negativen Gottesbild befreit zu werden.
Gott - wenn er denn da ist - ist für uns.
Gott ist gut, positiv, manchmal harmlos.
Wir stehen im Mittelpunkt.
Alle finden uns wichtig – zumindest als Konsumenten.
Wir sind zeitgeistkompatibel.
Wir wissen, dass vieles mit der Welt und uns ganz grundsätzlich nicht mehr stimmt. Meist haben wir nur eine vage Ahnung, was uns helfen könnte...


Kennen wir die Welt, in der wir leben?
Wie denken und glauben postmoderne Menschen?
Bin ich postmodern?


Die Frage, die sich stellt, ist, wie Kirche bzw. Gemeinde aussehen kann, die ohne Einschränkungen als innersten und festesten Grund wie als Maßstab die Bibel und ein Wirken zur Ehre Gottes hat - aber gleichzeitig den postmodernen Menschen in Form, Ausdruck, Sprache etc. entgegenkommt und gesellschaftlich relevant ist.

Lesen. Beten. Diskutieren.
Ich bin gespannt.

Kommentare:

Alex hat gesagt…

Hi Anne,
nett geworden deine renovierte Cyberwohnung, schick grün gestrichen und gute neue Adresse.
Deinen ersten Post hier find ich auch klasse. Super, du schreibst genau das, worum es mir beim Forum geht: Nicht neue missionarische Formen für die "armen postmodernen Menschen" da draußen finden, sondern erst mal checken, wie sehr wir selbst postmodern sind und von da aus fragen (und uns selbst hinterfragen) wie biblischer und einladener Glaube in postmoderner Zeit aussehen kann. Freu mich auch aufs Forum, schön dass du dabei bist. Grüße, Alex

Achim hat gesagt…

Hi Anne,
danke für deinen Gruß in meinem Blog. Deinen Blog find ich echt ansprechend. Ich sollte auch mal ein paar Bildchen bei mir reinnehmen, für die Wenigleser ... :-)
Zum Thema Postmoderne: Wenn man den Wikipedia-Artikel liest, könnte man teilweise auch zu dem Gedanken kommen wir leben in einer Post-Postmoderne! :-) Nee, im ernst, ist schon witzig, dass schon 1926 das erste mal in religiösem Kontext von der Postmoderne die Rede war. Ich hab mir die letzten Jahre während meinem Studium relativ viel zu diesem Thema anhören (müssen). Auch weniger, was Postmoderne direkt für den Gemeindebau bedeutet (diese Frage kam leider viel zu kurz), sondern eher, wie man diesen Gedanken theologisch begegnen kann. Pluralismus und die neue Toleranz kommt dem Evangelium ja nicht gerade entgegen. Mir fällt immer wieder auf, dass ich an manchen Punkten eben nicht, oder nicht mehr postmodern bin. Bin auch sehr gespannt auf das Forum.