Montag, 2. Juli 2007

Fundstück der Woche


Was zum Bloggen auch ganz gut passt (d.h. zum Inhalt des Gebloggten, als auch zum Charakter der Gedankenverfertigung), ist ein herrliches Zitat von G.E. Lessing aus dem Briefwechsel mit Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai über das Trauerspiel (Brief vom 18.Dez 1756):

"... ich habe in meinem Briefe an Sie ziemlich in den Tag hinein geschwatzt. Heben Sie ihn nur immer auf; ... ein dauerhafter Beweis , was für albernes Zeug ich schreiben kann, wenn ich, wie ich mich auszudrücken beliebt habe, meine Gedanken unter der Feder reif werden lasse"


Was für eine Formulierung!

Montag, 25. Juni 2007

Also lautet ein Beschluss...

Also lautet ein Beschluß:
Daß der Mensch was lernen muß.
Nicht allein das Abc
Bringt den Menschen in die Höh,
Nicht allein im Schreiben, Lesen
Übt sich ein vernünftig Wesen;
Nicht allein in Rechnungssachen
Soll der Mensch sich Mühe machen;
Sondern auch der Weisheit Lehren
Muß man mit Vergnügen hören.

(W. Busch)

So, oder so ähnlich bin ich derzeit beschäftigt. Lesen, exzerpieren, lernen. Und das seit Wochen, und so wirds auch noch Wochen weitergehen... genauer gesagt bis Dezember . Deswegen macht dieser Blog bis auf Weiteres und wenige Unterbrechungen... (siehe oben)...

Filmtipp: Solino

Gleich vorneweg: Um sich den ganz eigenen Charme des Films nicht entgehen zu lassen, sollte man sich Fatih Akins "Solino" in der Originalversion anschauen - Deutsch/Italienisch mit Untertiteln.

Kurz zum Inhalt:
Mit etlichen Referenzen an italienische Kinotraditionen (Bildsprache!) erzählt Fatih Akins Einwandererchronik vom Schicksal der Amatos. Durch drei Jahrzehnte begleitet der Film die sizilianische Familie, vor allem Sohn Gigi.

1964 bricht Romano Amato mit seiner Familie aus dem sonnigen Solino in Apulien nach Norden auf, um im fernen, reichen Deutschland das Glück als Gastarbeiter zu machen. Am Anfang ist der Kulturschock groß und auch die Arbeit unter Tage nicht jedermanns Sache, doch als man auf die Idee kommt, Duisburg eine erste Pizzeria zu bescheren, geht es aufwärts: Mama Rosas gute Küche spricht sich schnell herum.
1974: 10 Jahre später ist der Laden immer noch voll, doch die Söhne haben andere Zukunftspläne und Rosa ist in ihrer Kellerküche isoliert und völlig überarbeitet. Romano sieht nur seinen Erfolg und die Familie bricht allmählich auseinander. Mit dem bescheidenen Wohlstand aber kommen neue Probleme: Die Ehe der Eltern ist von Papis Schwerenöterei bedroht, während sich die Söhne in die gleiche Frau verlieben und sich über schöne Künste in die Haare geraten. Der Lebenstraum Gigis, Filmregisseur zu werden, wird von Bruder Giancarlo zerstört, der eben darauf seine eigene Karriere gründet.
1984: Gigi und seine erkrankte Mutter Rosa sind wieder in ihr italienisches Dorf zurückgekehrt: Hier wird Gigi mit Ada, einer Freundin aus Kindertagen, einen Neuanfang wagen, der auch eine Rückkehr zu den alten Verhältnissen ist.

Man mag dem Film vorwerfen, dass er mit "zu viel Gefühl" erzählt ist (Tom Tykwer)oder dass die Musik so vor sich hindudelt - allerdings mag ich nicht an dem Film rumkritteln... erzählt er doch seine kurvenreiche Geschichte (wie ich finde) in aller eigenartigen Schönheit und Trauer ohne zu beschönigen - und dreht sich unter anderem um folgenden Fragen:

Wie kriegt man Schnee von Deutschland nach Italien?
Was bedeutet "Leidenschaft und Feuer" für etwas haben?
Wie unterschiedlich können zwei Brüder sein?
Welche Farbe hat die Wand hinter uns?


Und schließlich hat er den schönsten Zeitsprung zu bieten, an den ich mich im Kino überhaupt erinnern kann: Jemand rennt voller Übermut die Treppe hoch und kommt – zehn Jahre älter aber genauso ausgelassen – oben an.

Samstag, 12. Mai 2007

Live in Concert: Wise Guys




Guten Abend und hallo! Wir sind hier, um euch gut zu unterhalten,
euch dabei zu helfen, für zwei Stunden abzuschalten...


...und natürlich waren die zwei Stunden, wie sollte es anders sein, viiiiiiiiiel zu kurz, vor allem, wenn man eine Wise Guys-Totalnacht im Ohr hat. Gestern also, aus gegebenem Anlass und zum krönenden Abschluss eines feinen Tages :-) die Wise Guys live und in Farbe im CongressCentrum.

Aus dem Radio kennt man ja "Jetzt ist Sommer" (gestern die 2. Zugabe), aber aus unerfindlichen Gründen auch nicht viel mehr, wo doch das Programm, das sich zwischen "archäologischen Ausgrabungen", Songs vom aktuellen Album "Radio" bis zum im Entstehen begriffenenen neuen Album, einiges zu bieten hat...
angefangen mit "Denglisch" (das alte Lieblingslied aller Deutschlehrer) über "Relativ", "Schunkeln" "Nix wie weg hier", "Paris", "Tiefgang", "Buddy Biber" (ein gesungener Cartoon) bishin zu "Schiller" (das neue Lieblingslied aller Deutschlehrer... a.k.a. "Thriller" von einem gewissen M. Jackson) - textlich wie gesanglich: unglaublich!

Was man beim CD hören nicht hat, was die Bühnenshow aber zudem besonders reizvoll machte: die sog. Choreographie bzw. die Schauspieleinlagen... (vgl. die Videos unten :-))... zu geil!

Einziger Wermutstropfen: leider war die Tontechnik über 2 Stunden nicht in der Lage, ein sachtes, aber stetiges Rückkopplungspfeifen kurz vorm oberen Ende des Hörbereichs wegzukriegen... was besonders bei der Moderation und bei ganz leisen Passagen in den Liedern extrem störend war.
...dazu noch die nette Dame neben mir, die so wunderbar und beharrlich auf 1 und 3 geklatscht hat, wenn nötig auch gegen den ganzen Saal :-) hihi...

Trotzdem: ein herrliches Konzert, danke an meine beiden Wohltäter :-)



Und für alle anderen: das nächste Konzert in Würzburg findet am 4. November statt!
Oder einfach die Videos anschauen und mtlachen...

"Nur für dich"




"Buddy Biber"

ausm Tigerentenclub :-)




"Root Beer Rag"
im Original von Billy Joel+

Mittwoch, 9. Mai 2007

Franziskus VI - Bewertung: radikal und ideal?

Dass sich Nachfolge idealerweise auf alle Lebensbereiche auswirken soll, ist uns allen ja nichts Neues. Klingt oft radikal, ist oft frustrierend.

Hier ging es nun darum, Franz nicht allein als erbaulich-legendäres Beispiel zu sehen, sondern den Schleier der Geschichtchen wegzuwischen und sich zunächst knochentrocken an das historisch fassbare, zu halten; an das, was als Anspruch an ein Leben in Nachfolge so in den Ordensregeln formuliert ist.

Also: War Franz radikal – war er ideal?
Die Bewertungen anhand relativ glaubhafter Lebensbeschreibungen (Dreigefährtenlegende 3 Soc; Viten des Thomas von Celano I Cel/ II Cel) fallen dann unterschiedlichst aus.

Walter Goetz schreibt:
„Seine Größe liegt – gemessen an den Idealen seiner Zeit – darin, daß er ein über gewöhnliche menschliche Kräfte gehendes Ideal an sich selber verwirklicht hat [...] Das eben war sein Genius, daß er unmöglich Erscheinendes möglich machte, daß er dafür starb, indem er sich im Glauben an seine Ideale körperlich zugrunde richtete. [...]Aber auf dem Glauben an ein allgemein erreichbares Ideal wollte Franz sein Werk errichten; was nur ihm möglich war, glaubte er von anderen fordern zu dürfen.[...] Sein Ideal, für alle seine Nachfolger unerreichbar, blieb als dauernde Mahnung gegenüber allzu großer Verflachung, als Ziel des Strebens für die Ehrlichen unter seinen Jüngern. Anders wirkt überhaupt kein Ideal in die Zukunft hinein; rein ist es immer nur ein einziges Mal vorhanden.“
(Walter Goetz: Die ursprünglichen Ideale des hl. Franz von Assisi, in: Italien im Mittelalter I, hrsg. von Walter Goetz, Leipzig 1942, S. 125-160)


Franz hat sein Ideal in Christus gesucht und gefunden hatte, er wird wiederum zum Ideal des menschlich Möglichen in der Nachfolge Christi, der mehr durch Taten als durch Worte mit seinem Leben ein Zeichen gesetzt haben will. Z.T. ziemlich krass, was er (mit sich selbst) gemacht hat - aber auch deswegen bis heute interessant.

Ein Ideal an sich selbst verwirklichen, nicht nur „anderen Vorschriften machen“.
Taten statt Worte.